Durch häusliche Gewalt entsteht eine Dynamik in der Beziehung, die es schwer machen kann, sich daraus zu befreien. Betroffene, die in einer gewaltgeprägten Beziehung leben, kennen das Hin und Her zwischen Bedrohung, Gewalthandlungen und der eigenen Angst.
Die Spannungen und Gewaltausbrüche verändern die Beziehung und den Umgang miteinander. Betroffene versuchen, diese Dynamik zu beeinflussen. Sie entwickeln Strategien, um sich zu schützen und weitere Gewaltausbrüche zu verhindern. Sie versuchen, ihr Verhalten anzupassen, um Gewaltausbrüche zu vermeiden, verzichten auf eigene Bedürfnisse oder unterdrücken ihre Gefühle.
Liebe, die Hoffnung auf Veränderung, aber auch Scham und Schuldgefühle, die gesundheitlichen Folgen von Gewalt oder die Angst vor einer Gewalteskalation halten viele Betroffene zunächst in der Beziehung und erschweren die Hilfesuche.
Sich zu trennen braucht Mut und eine Idee, wie es weitergeht. Zögern Sie nicht, mit jemandem über Ihre Situation zu sprechen und Hilfe in Anspruch zu nehmen. Sie sind nicht alleine. (Hilfetelefon für Betroffene:116 016)
Die Person, die Gewalt erlebt, wird vorsichtig, wenn es darum geht, ihre Meinung und ihre Bedürfnisse zu äußern, und versucht eher, dem gewalttätigen Beziehungsteil alles rechtzumachen. In einem Umfeld, das von der gewalttätigen Person dominiert wird, gibt es für Betroffene oder andere Familienmitglieder keinen Raum, um ihre wirklichen Gefühle offen zu äußern.
So kann sich die gewaltausübende Person beispielsweise von den Freund*innen oder Hobbies der betroffenen Person genervt zeigen und sie nach und nach mit vorgeschobenen Gründen dazu bringen, diese aufzugeben.
Trotz des Vorhandenseins von Gewalt kann die Person, die sie erlebt, ihren Partner oder ihre Partnerin immer noch lieben und die Momente schätzen, in denen es keine Gewalt gibt, was es für sie schwierig macht, sich eine Trennung vorzustellen.
Sie hält an dem Glauben fest, dass sich doch etwas zum Positiven entwickelt und wird durch gewaltfreie Phasen darin bestärkt, weil sich dann die vorhandene Gewaltdynamik zwischen beiden vorübergehend verändert.
Scham und Schuldgefühle sind eng mit häuslicher Gewalt verbunden. Es ist weitverbreitet, dass gewaltausübende Personen den Betroffenen die Schuld für die Gewaltausbrüche geben („Du hast mich provoziert“) und ihr eigenes Handeln rechtfertigen. Das führt oft dazu, dass sich Betroffene schämen und an der eigenen Misshandlung schuldig fühlen. Sie denken, dass sie etwas falsch gemacht haben und deshalb misshandelt werden.
Scham und Schuldgefühle erschweren es oft, jemandem die erlittene Gewalt zu erzählen – auch aus Angst, dass ihnen nicht geglaubt wird, weil die gewaltausübende Person beispielsweise ein hohes Ansehen geniesst. Es gibt keinen Grund, sich für die erlittene Gewalt zu schämen!