Bindungsstile und Schemata können uns helfen zu verstehen, warum schwierige Situationen in Beziehungen entstehen, insbesondere in romantischen Beziehungen. Diese Muster können auch zu Konflikten beitragen. Frühere Erfahrungen können beeinflussen, wie eine Person auf die Angst vor dem Verlassenwerden, auf Nähe, Konflikte oder Enttäuschungen reagiert. Eine Person sucht möglicherweise ständig nach Bestätigung, geliebt zu werden, eine andere zieht sich zurück, wenn sich Nähe bedrohlich anfühlt, und eine dritte reagiert stark, wenn sie sich zurückgewiesen fühlt.
Entscheidend ist, wie sich eine Person verhält und andere behandelt, wenn Konflikte in einer Beziehung entstehen. Auch schwierige Gefühle sollten besprochen werden können, und beide Partner sollten sich bemühen, Meinungsverschiedenheiten zu lösen.
Bindungsstile beschreiben, wie wir lernen, enge Beziehungen aufzubauen, Sicherheit zu erleben und auf Nähe, Distanz und Konflikte zu reagieren. Sie basieren auf der Bindungstheorie, die vom Psychologen John Bowlby entwickelt und später durch die Forschung von Mary Ainsworth erweitert wurde.
Frühe Erfahrungen mit Bezugspersonen können beeinflussen, wie wir lernen, anderen zu vertrauen, unsere Bedürfnisse auszudrücken und Sicherheit zu suchen. Unsere Bindungsstile werden jedoch nicht dauerhaft in der Kindheit festgelegt. Sie können sich durch Lebenserfahrungen und Beziehungen verändern. Auch in unterschiedlichen Beziehungen können verschiedene Muster auftreten.
Bindungsstile können beeinflussen, wie wir uns in romantischen Beziehungen verhalten, insbesondere in Zeiten der Unsicherheit und bei Konflikten. Unterschiedliche Arten, Nähe zu suchen oder uns selbst zu schützen, können zu Missverständnissen und wiederkehrenden Auseinandersetzungen führen.
Bindungsstile beschreiben, wie wir in Beziehungen mit Nähe, Sicherheit und Abhängigkeit umgehen. Sie sind keine unveränderlichen Persönlichkeitseinstufungen oder Diagnosen, und dieselbe Person kann sich in unterschiedlichen Beziehungen und Lebenssituationen verschieden verhalten. Ein Bindungsstil kann helfen, ein Verhalten zu erklären, rechtfertigt aber nicht, anderen Menschen Schaden zuzufügen. Entscheidend ist, wie eine Person ihren Partner oder ihre Partnerin behandelt, Grenzen respektiert und Verantwortung für die Auswirkungen ihres Handelns übernimmt.
Bei der Beschreibung von Bindungsstilen im Erwachsenenalter wird häufig ein Modell mit vier Kategorien verwendet:
- Sicher: Nähe und Unabhängigkeit fühlen sich natürlich an. Eine Person kann über ihre Bedürfnisse und Gefühle sprechen, und Konflikte können angesprochen werden, ohne dass ständig die Angst vor dem Verlassenwerden besteht oder das Bedürfnis entsteht, sich zurückzuziehen.
- Abweisend-vermeidend: Unabhängigkeit steht im Vordergrund, und Nähe oder die Abhängigkeit von einer anderen Person können sich unangenehm anfühlen. Eine Person spielt möglicherweise ihr Bedürfnis nach Nähe herunter, zieht sich zurück oder vermeidet schwierige Gespräche. Probleme entstehen, wenn sie die Auswirkungen ihres Rückzugs auf den Partner oder die Partnerin nicht anerkennen kann oder nicht offen darüber spricht.
- Ängstlich-vermeidend: Eine Person sehnt sich nach Nähe, fürchtet sie aber möglicherweise zugleich oder hat Angst vor der damit verbundenen Verletzlichkeit. Sie kann zwischen dem Wunsch nach Verbundenheit und Rückzug wechseln, weil Nähe sowohl das Bedürfnis nach Sicherheit als auch Misstrauen oder Angst auslöst.
- Ängstlich-ambivalent: Die Angst vor dem Verlassenwerden und die Unsicherheit über die Beziehung können besonders stark ausgeprägt sein. Eine Person sucht möglicherweise wiederholt nach Bestätigung und Nähe und deutet Distanz als Zurückweisung. Probleme entstehen, wenn das Bedürfnis nach Bestätigung zu Druck führt oder die Grenzen der anderen Person nicht respektiert werden. Ein Bindungsstil definiert keinen Menschen, und ein unsicherer Bindungsstil führt nicht automatisch zu einer missbräuchlichen Beziehung. Kein Bindungsstil rechtfertigt Gewalt wie Drohungen, kontrollierendes Verhalten oder Grenzverletzungen oder kann solche Verhaltensweisen allein erklären.
Jeder Mensch ist für sein eigenes Verhalten verantwortlich, und eine sichere Beziehung erfordert gegenseitigen Respekt. Erwachsene können in der Regel lernen, ihre eigenen Muster zu erkennen, Verantwortung für ihre persönliche Entwicklung zu übernehmen und Unterstützung bei Veränderungen zu suchen. Veränderungen brauchen Zeit und Ressourcen und erfordern oft eine schmerzhafte Selbstreflexion sowie die anhaltende Bereitschaft, aktiv daran zu arbeiten.
Schemata, die in der Schematherapie auch als frühe maladaptive Schemata bezeichnet werden, sind tief verwurzelte Denk- und Gefühlsmuster, die im Rahmen des von dem Psychologen Jeffrey Young entwickelten schematherapeutischen Ansatzes beschrieben werden. Sie entstehen häufig durch Erfahrungen in der Kindheit und Jugend. Sie beeinflussen, wie wir uns selbst, andere Menschen und verschiedene Situationen interpretieren. Ein Schema kann beispielsweise aktiviert werden, wenn wir Angst haben, verlassen, kritisiert oder als nicht gut genug angesehen zu werden.
In romantischen Beziehungen können sich Schemata in ausgeprägter Eifersucht, einem ständigen Bedürfnis nach Anerkennung, der Vernachlässigung der eigenen Bedürfnisse oder dem Rückzug vor Nähe äußern. Sie können auch dazu führen, dass wir das Verhalten einer anderen Person durch die Brille früherer Erfahrungen interpretieren, selbst wenn die aktuelle Situation eine andere ist.
Schemata sind keine unveränderlichen Eigenschaften. Ihr Einfluss kann erkannt und verringert werden. Wenn wir unsere eigenen Reaktionen verstehen, kann uns das helfen, sicherere Beziehungen aufzubauen und unsere Bedürfnisse auf gesündere Weise auszudrücken.
Schemata können beeinflussen, wie eine Person das Verhalten anderer interpretiert, auf Konflikte reagiert und sich in engen Beziehungen verhält. Dasselbe Schema kann sich bei verschiedenen Menschen unterschiedlich äußern, und das Vorhandensein eines Schemas bedeutet nicht automatisch, dass jemand sich schädlich verhält.
Auch wenn Schemata uns helfen können, unser eigenes Verhalten oder das einer anderen Person zu verstehen, rechtfertigen sie weder kontrollierendes noch entwertendes oder missbräuchliches Verhalten. Jeder Mensch ist für sein eigenes Verhalten verantwortlich, und in einer sicheren Beziehung werden die Bedürfnisse und Grenzen beider Partner respektiert.
Nach dem schematherapeutischen Modell von Jeffrey Young gibt es 18 Schemata, die in fünf übergeordnete Bereiche eingeteilt werden:
1. Abgetrenntheit und Ablehnung
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Verlassenheit: Die Angst, dass eine nahestehende Person einen verlässt, zurückweist oder aufhört, einen zu lieben.
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Misstrauen/Missbrauch: Die Erwartung, dass andere einem wehtun, einen ausnutzen oder das eigene Vertrauen missbrauchen werden.
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Unzulänglichkeit/Scham: Das Gefühl, nicht gut genug zu sein oder nicht so akzeptiert werden zu können, wie man ist.
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Soziale Isolation/Entfremdung: Das Gefühl, nicht dazuzugehören oder anders zu sein als alle anderen.
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Emotionale Entbehrung: Das Gefühl, nicht genügend Liebe, Aufmerksamkeit, Verständnis oder Unterstützung zu erhalten. 2. Beeinträchtigte Autonomie und Leistung
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Abhängigkeit/Inkompetenz: Die Überzeugung, nicht allein zurechtzukommen oder ohne die Hilfe anderer keine richtigen Entscheidungen treffen zu können.
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Verstrickung/Unentwickeltes Selbst: Schwierigkeiten, eine eigene Identität und Unabhängigkeit zu entwickeln, weil das eigene Selbstbild und die eigenen Bedürfnisse übermäßig eng mit denen einer nahestehenden Person verflochten sind.
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Anfälligkeit für Schädigungen oder Krankheiten: Die anhaltende Angst, dass etwas Schreckliches passieren könnte, beispielsweise eine Krankheit, ein Verlust oder eine andere Katastrophe.
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Versagen: Die Überzeugung, anderen unterlegen zu sein oder zwangsläufig scheitern zu müssen. 3. Beeinträchtigte Grenzen
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Anspruchshaltung/Grandiosität: Das Gefühl, dass die eigenen Bedürfnisse oder Rechte wichtiger sind als die anderer und dass für einen selbst nicht dieselben Regeln gelten sollten.
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Unzureichende Selbstkontrolle/Selbstdisziplin: Schwierigkeiten, Unbehagen, Enttäuschungen oder Frustration auszuhalten oder Impulse zu kontrollieren. 4. Fremdbezogenheit
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Unterwerfung: Das Zurückstellen der eigenen Bedürfnisse und Meinungen, um Konflikte, Ablehnung oder den Zorn einer anderen Person zu vermeiden.
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Streben nach Zustimmung/Anerkennung: Das eigene Selbstwertgefühl von der Zustimmung, Bewunderung oder den Meinungen anderer abhängig zu machen.
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Aufopferung: Die eigenen Bedürfnisse dauerhaft hinter die Bedürfnisse anderer zu stellen, häufig aus Schuldgefühlen oder einem ausgeprägten Verantwortungsgefühl heraus. 5. Übertriebene Wachsamkeit und Gehemmtheit
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Negativität/Pessimismus: Die Tendenz, sich auf die negativen Aspekte des Lebens, mögliche Gefahren und potenzielle Misserfolge zu konzentrieren und positive Dinge herunterzuspielen.
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Unerbittliche Standards/Überkritik: Das Gefühl, leisten, erfolgreich sein oder sich vollkommen verhalten zu müssen, um gut genug zu sein.
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Emotionale Gehemmtheit: Die eigenen Gefühle und Bedürfnisse zu verbergen, um nicht schwach, schwierig oder übermäßig emotional zu wirken.
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Bestrafungsneigung: Die Überzeugung, dass Fehler bestraft werden sollten, sowohl bei sich selbst als auch bei anderen, und dass Unvollkommenheit nicht akzeptabel ist.
Jeder Mensch verhält sich manchmal verletzend, reagiert defensiv oder handelt auf eine Weise, die er später bereut. Schädliches Verhalten zu erkennen, beginnt damit, das eigene Handeln und dessen Auswirkungen auf eine andere Person betrachten zu können. Ein Mensch kann anerkennen, dass er sich falsch verhalten hat, sich die Erfahrungen der anderen Person anhören, sich entschuldigen und vor allem sein Verhalten ändern.
Ernster wird die Situation, wenn verletzendes Verhalten, das Abwerten der Erfahrungen anderer, Drohungen, kontrollierendes Verhalten oder Grenzverletzungen wiederholt auftreten. Besonders besorgniserregend ist es, wenn die andere Person dein Recht auf eigene Meinungen, Entscheidungen und Beziehungen nicht akzeptiert, dich dafür bestraft, dass du Grenzen setzt – beispielsweise durch Schweigen und Kontaktentzug – oder dir Angst vor ihren Reaktionen macht. Auch ohne körperliche Gewalt kann ein solches Verhalten psychische Gewalt oder kontrollierendes Verhalten im Sinne von Coercive Control darstellen. Auch die Androhung körperlicher Gewalt ist eine Form von Gewalt. Gewalt muss weder körperlich sein noch lange andauern oder wiederholt auftreten, damit du das Recht hast, Hilfe zu suchen.
Du kannst versuchen, das verletzende Verhalten einer anderen Person anhand ihrer Schemata und ihres Bindungsstils zu verstehen. Verstehen bedeutet jedoch nicht, das Verhalten zu akzeptieren. Eine schwierige Kindheit, eine unsichere Bindung oder ein Schema können dazu beitragen, die Hintergründe des Verhaltens eines Menschen zu erklären. Nichts davon rechtfertigt jedoch, einem anderen Menschen Schaden zuzufügen. Du musst nicht herausfinden, warum sich jemand auf eine bestimmte Weise verhält, um deine eigenen Erfahrungen ernst zu nehmen: Das tut mir nicht gut.
Entscheidend ist, ob ein Mensch die Auswirkungen seines Verhaltens erkennen, die Grenzen seines Partners respektieren und Verantwortung dafür übernehmen kann, sein Verhalten zu ändern. Wenn die Person darauf besteht, dass ihr Verhalten gerechtfertigt ist, ihrem Partner immer wieder die Schuld gibt oder sich weigert, den eigenen Anteil an der Situation zu hinterfragen, kannst du dich nicht allein auf die Hoffnung verlassen, dass sich ihr Verhalten ändern wird.
Beziehungsprobleme lassen sich nicht allein durch Bindungsstile oder Schemata erklären. Du musst nicht herausfinden, ob das Verhalten deines Partners auf einen Bindungsstil, ein Schema oder etwas anderes zurückzuführen ist. Du kannst dich darauf konzentrieren, wie die Person dich behandelt, ob du dich sicher ausdrücken kannst und ob deine Grenzen respektiert werden. Wenn das schädliche Verhalten anhält und die andere Person sich weigert, Verantwortung zu übernehmen, ist es wichtig, darüber nachzudenken, ob es dir in der Beziehung gut geht und ob du in der Beziehung bleiben möchtest, so wie sie derzeit ist.
Eine Person mit einem vermeidenden Bindungsstil kann zunehmende Nähe als belastend empfinden und sich gerade dann zurückziehen, wenn die Beziehung beginnt, sich zu vertiefen. Ihr Partner kann diesen Rückzug als wiederholte Zurückweisung oder Verlassenwerden erleben und zunehmend nach Bestätigung suchen, dass er geliebt wird. Das Bedürfnis nach Nähe und das Bedürfnis nach Rückzug können sich gegenseitig verstärken und so einen schwierigen und erschöpfenden Kreislauf entstehen lassen.
Sich zurückzuziehen oder persönlichen Freiraum zu benötigen, ist an sich kein Missbrauch. Damit Vertrauen in einer Beziehung entstehen und bestehen bleiben kann, ist es wichtig, das Bedürfnis nach Freiraum so kommunizieren zu können, dass die Gefühle der anderen Person berücksichtigt und respektiert werden. Schädlich wird die Situation, wenn der Rückzug die andere Person verletzt und sich darüber nicht sprechen lässt, ihre Erfahrungen abgewertet werden oder ihre Wahrnehmungen und Gefühle wiederholt abgestritten oder infrage gestellt werden. Wenn jemand beispielsweise abstreitet, was geschehen ist, die Verantwortung immer wieder auf den Partner abwälzt oder ihn dazu bringt, an der eigenen Wahrnehmung der Realität zu zweifeln, kann dies psychische Gewalt und Gaslighting darstellen. Jeder Mensch hat das Recht auf persönlichen Freiraum, aber auch das Recht, gehört und respektvoll behandelt zu werden.
Eine Person mit einem ängstlichen Bindungsstil kann wiederum große Angst davor haben, verlassen zu werden, und versuchen, diese Angst durch Klammern, wiederholtes Einfordern von Bestätigung, Eifersucht oder die Kontrolle des Verhaltens ihres Partners zu lindern. Sie hat möglicherweise das Gefühl, immer mehr Liebesbeweise zu benötigen, selbst wenn ihr Partner ihr bereits viele Male seine Liebe versichert hat. Sie kann anfangen, unbegründete Anschuldigungen zu erheben oder ihrem Partner zu Unrecht die Schuld zu geben. Ihr Partner kann sich dadurch nicht vertraut, in seiner Privatsphäre eingeschränkt oder unfrei fühlen, weil er sich nicht frei bewegen und leben kann, ohne Verdächtigungen ausgesetzt zu sein und sich ständig erklären zu müssen. Ängstliches Verhalten kann sich zu kontrollierendem Verhalten, psychischer Gewalt, Gaslighting oder sogar körperlicher Gewalt entwickeln.
Die Angst, verlassen zu werden, kann erklären helfen, woher ein solches Verhalten kommt. Sie rechtfertigt jedoch nicht, einen anderen Menschen zu kontrollieren, in seine Privatsphäre einzudringen oder seine Freiheit einzuschränken. Ebenso rechtfertigt die Angst vor Nähe nicht, die Erfahrungen eines anderen Menschen wiederholt zurückzuweisen, abzuwerten oder zu ignorieren. Manchmal kann eine schädliche Beziehung dazu beitragen, dass sich ängstliche Verhaltensweisen entwickeln, weil ein Mensch in einen Zustand ständiger Wachsamkeit versetzt wird und seine Wahrnehmung der Realität zunehmend infrage gestellt wird.
Eine Person mit einem ängstlich-vermeidenden Bindungsstil kann sich stark nach Nähe sehnen und gleichzeitig Angst davor haben. Sie sucht beispielsweise die Nähe und den Trost ihres Partners, bekommt jedoch Angst, wenn dieser liebevoll reagiert, zweifelt an seinen Absichten oder stößt ihn von sich. Sie kann zwischen intensiver Bindung, Misstrauen und Rückzug wechseln, sodass ihr Partner nicht mehr weiß, was von ihm erwartet wird.
Das Verhalten in Beziehungen lässt sich nicht allein durch Bindungsmuster erklären. Auch das Selbstwertgefühl, frühere Erfahrungen, situative Faktoren und zwischenmenschliche Dynamiken spielen eine Rolle. Schemata können beeinflussen, wie eine Person Situationen interpretiert, mit ihrem Partner umgeht und ihr eigenes Verhalten rechtfertigt. Häufig wirken mehrere Faktoren zusammen.
Wenn unsichere Bindungsmuster mit Schemata wie Misstrauen oder Verlustangst zusammentreffen, kann eine Person selbst gewöhnliches Verhalten ihres Partners als bedrohlich interpretieren und heftig darauf reagieren. Ein Bindungsstil kann helfen, widersprüchliche Reaktionen zu erklären, rechtfertigt jedoch weder Einschüchterung und Drohungen noch kontrollierendes Verhalten oder die Verletzung der Grenzen eines anderen Menschen. Entscheidend ist, ob die Person die Auswirkungen ihres Verhaltens erkennt und Verantwortung dafür übernimmt, es zu ändern.
Das Anspruchsschema kann beispielsweise dazu führen, dass jemand glaubt, das Recht zu haben, sich durchzusetzen oder nach den eigenen Bedürfnissen zu handeln, unabhängig davon, wie sich dies auf den Partner auswirkt. Die Person interpretiert Eifersucht möglicherweise als Liebe und als Rechtfertigung dafür, den Partner zu überwachen, ständig Bestätigung einzufordern oder seine Freiheit einzuschränken. Sie empfindet die Grenzen ihres Partners vielleicht auch als beleidigend oder unangemessen, weil sie ihre eigenen Bedürfnisse für wichtiger hält. Möglicherweise zeigt sie wenig oder gar keinen Respekt vor den Grenzen der anderen Person.
Das Verlassenheitsschema kann dagegen die Angst vor dem Verlassenwerden verstärken und dazu führen, dass jemand das Bedürfnis des Partners nach Zeit für sich oder persönlichem Freiraum als Zeichen dafür interpretiert, dass die Liebe zu Ende geht. Emotionale Gehemmtheit oder das Unterdrücken von Gefühlen können es erschweren, die eigenen Emotionen auszudrücken und auf die Erfahrungen einer anderen Person einzugehen. Eine Person zieht sich möglicherweise zurück, schweigt oder spielt die Gefühle ihres Partners herunter, weil sie nicht weiß, wie sie ihre eigenen Emotionen in der jeweiligen Situation verarbeiten soll.
Bindungsstile und Schemata können somit schädliche Interaktionsmuster verstärken. Eine Person hat beispielsweise Angst, verlassen zu werden, und sucht ständig nach Bestätigung, während die andere diese Forderungen als überwältigend erlebt und sich zurückzieht. Wenn beide ihr eigenes Verhalten nicht hinterfragen können, kann ein schädlicher Kreislauf entstehen. Besonders belastend kann die Situation werden, wenn eine Person beginnt, ihren Partner zu kontrollieren, seine Erfahrungen abzuwerten, ihn einzuschüchtern oder seine Grenzen zu verletzen. Schädliches Verhalten kann von beiden Seiten ausgehen.
Beide Partner können die Situation als schwierig erleben und sich unsicher fühlen. Um eine Beziehung sicherer zu gestalten, müssen beide in der Lage sein, ihr eigenes Verhalten und dessen Auswirkungen auf die andere Person zu hinterfragen. Es reicht nicht aus, die eigenen Ängste, Schemata oder Bindungsmuster zu erklären, wenn das schädliche Verhalten anhält.
Wenn du erklärt hast, wie du dich durch das Verhalten der anderen Person fühlst, diese sich jedoch weigert zuzuhören, Verantwortung zu übernehmen oder ihr Verhalten zu ändern, halte inne und betrachte deine eigene Situation: Bin ich bereit, in einer solchen Beziehung zu leben, wenn sich nichts ändert? Beurteile die Beziehung nicht nur danach, wie sie in ihren besten Momenten ist oder was du dir für die Zukunft erhoffst. Überlege, wie dein Alltag derzeit aussieht und wie sich die Beziehung auf dein Wohlbefinden auswirkt.
Du kannst einen anderen Menschen nicht verändern. Du hast das Recht, Grenzen zu setzen, dir Unterstützung von außen zu suchen und selbst zu entscheiden, in welcher Art von Beziehung du leben möchtest. Wenn die Beziehung von Einschüchterung, Drohungen, Gaslighting, Herabsetzung, Entwertung, kontrollierendem Verhalten oder anderen Formen von Gewalt geprägt ist, musst du nicht warten, bis die andere Person deine Erfahrungen versteht oder anerkennt, bevor du Hilfe suchst oder deine Sicherheit schützt. Du musst auch nicht warten, bis die andere Person deiner Entscheidung zustimmt, bevor du die Beziehung beendest.
Menschen können lernen, ihre Schemata und Verhaltensmuster zu erkennen, ihre eigenen Reaktionen besser zu verstehen und sicherere Umgangsformen mit anderen zu entwickeln. Veränderung setzt jedoch immer die Bereitschaft voraus, Verantwortung zu übernehmen. Entscheidend ist nicht nur, ob die andere Person verspricht, sich zu ändern, oder nach einem Streit Reue zeigt, sondern ob sie das Problem in ihrem Verhalten erkennt, konkrete Schritte zur Veränderung unternimmt und diese Veränderung über längere Zeit konsequent zeigt.
Wenn die andere Person abstreitet, was geschehen ist, dir die Schuld für ihr Verhalten gibt, deine Erfahrungen abwertet oder Veränderungen verspricht, aber weiterhin dasselbe tut, musst du nicht immer weiter darauf warten, dass sie die Situation irgendwann versteht. Du kannst die Veränderungsarbeit nicht für einen anderen Menschen übernehmen. Du hast das Recht, Grenzen zu setzen, Unterstützung zu suchen oder die Beziehung zu beenden – auch wenn du verstehst, warum sich die andere Person so verhält.
Eine schädliche Beziehung kann beeinflussen, wie du Nähe und Sicherheit erlebst. Wenn du dir und deinen Beziehungen früher vertraut hast, nun aber ständig die Reaktionen der anderen Person beobachtest, Angst vor dem Verlassenwerden hast oder nach Anerkennung suchst, beginnst du möglicherweise, dich auf eine Weise zu verhalten, die dir selbst fremd ist. Du wirst vielleicht anhänglich, eifersüchtig, zurückgezogen oder unsicher im Hinblick auf dich selbst oder achtest ständig auf Veränderungen in der Stimmung der anderen Person.
Das bedeutet nicht, dass die Probleme in der Beziehung ursprünglich von dir ausgegangen sind. Dein Verhalten kann eine Reaktion auf anhaltende Unsicherheit in einer schädlichen Beziehung sein. Wenn Sicherheit und Vertrauen allmählich zurückkehren, können sich auch dein Erleben von Nähe und deine Art, Beziehungen zu anderen Menschen zu gestalten, nach und nach verändern.
Denke daran: Du musst die andere Person nicht diagnostizieren, nicht alle Hintergründe ihres Verhaltens verstehen und auch nicht auf ihre Veränderung warten, um dich selbst zu schützen. In einer Beziehung ist nicht in erster Linie entscheidend, warum sich die andere Person schädlich verhält, sondern was geschieht, wie es sich auf dich auswirkt und ob die Beziehung für dich sicher ist.